Spotlight: Pinnacles National Park
Erik Pawassar

Zentralkalifornien

Spotlight: Pinnacles National Park

13
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Im jüngsten Nationalpark Kaliforniens gibt es Felswände, Klippen und Höhlen, die durch einen urzeitlichen Vulkan entstanden. Erderschütterungen und ‑beben entlang dem San-Andreas-Graben trugen vulkanisches Gestein von den Ausbrüchen des Vulkans über 300 Kilometer südostwärts zu dieser Stelle im Salinas Valley, wo sie jetzt lagern. Heute, Millionen Jahre nach diesen Ereignissen, ist der Ort einzigartig und beeindruckend. Folgen Sie dem Schein Ihrer Taschenlampe, wenn Sie verzweigte Höhlen erkunden! Recken Sie Ihren Hals, um den Kletterern an den steilen Felsnadeln zuzuschauen! Suchen Sie den Himmel nach Kalifornischen Kondoren ab, und wandern Sie im Frühjahr zwischen Wildblumen! Im Sommer können die Temperaturen tagsüber zwar nahezu 40 °C erreichen, doch in den kühleren Nächten funkeln auch unzählige Sterne am Firmament.

Der Pinnacles National Park ist in zwei Seiten unterteilt, die östliche und die westliche, und es gibt keine Möglichkeit, durch den Park von einer Seite auf die andere zu fahren – Sie können ihn allerdings auf einer etwa acht Kilometer langen Wanderung zu Fuß durchqueren.

Die Westseite erreichen Sie von der Staatsstraße 101 in der Nähe des Städtchens Soledad. Folgen Sie dem Highway 146 zum Parkeingang. Hier gibt es ein kleines Besucherzentrum, aber keine Übernachtungsmöglichkeiten und auch keinen Campingplatz. Die Tore sind an dieser Seite täglich von 7:30 bis 20:00 Uhr geöffnet. Sie können den Park auch nach 20 Uhr noch verlassen, aber nicht mehr hineinfahren. Die östliche Zufahrt, die Sie über den Highway 25 rund 50 Kilometer südlich von Hollister erreichen, ist hingegen rund um die Uhr geöffnet, und hier gibt es auch Campingmöglichkeiten, einen Lagerladen und ein Besucherzentrum.

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Talushöhlen
Erik Pawassar

Talushöhlen

Talushöhlen
Erkunden Sie ein faszinierendes unterirdisches Labyrinth!

Die Höhlen der Pinnacles sind nicht vergleichbar mit den Kalksteinhöhlen, die man an vielen anderen Orten der USA und auch in Europa findet. Genaugenommen sind sie überhaupt keine echten Höhlen. Im Laufe von Jahrtausenden hat Wasser lediglich schmale und tiefe Kluften in das Felsgestein der Pinnacles geschnitten, und wenn Felsbrocken barsten, fielen sie mitunter in solche Spalten. Einige Bruchstücke waren aber zu groß, wurden eingeklemmt, bildeten ein „Dach“ und schufen so diese Felstunnel, die man als Talushöhlen bezeichnet.

“Junge, ist das dunkel hier!”

Es gibt im Park zwei Gruppen dieser Höhlen, die für Besucher zugänglich sind. Die Balconies Caves auf der Westseite des Parks sind grundsätzlich ganzjährig geöffnet, nur nicht während starker Regenfälle im Winter. Die Bear Gulch Caves auf der Ostseite des Parks werden zeitweise gesperrt, um die Townsend-Langohren zu schützen, eine Fledermausart, die hier lebt und ihre Jungen aufzieht (normalerweise von Mitte Mai bis Mitte Juli sind diese Höhlen daher nicht zugänglich). Rufen Sie im Park an, um vorab zu erfahren, ob und wann die Höhlen geöffnet sind. 

Ganz gleich, welche Höhle Sie erkunden möchten: Sie brauchen keine Ausbildung als Höhlenforscher, nur ein bisschen Abenteuerlust. Schalten Sie beim Betreten Ihre Stirnlampe an (das Licht Ihres Mobiltelefons tut’s auch) und zwängen Sie sich durch enge Spalten, ducken Sie sich unter Überhängen und winden Sie sich durch schmale Durchgänge. Wenn Sie die Ohren spitzen, hören Sie mit Sicherheit, wie irgend jemand den Standardspruch vom Stapel lässt: „Junge, ist das dunkel hier!“ Stimmt. 

Gebiet der High Peaks
Erik Pawassar

Gebiet der High Peaks

Gebiet der High Peaks
Wandern Sie auf einem unvergesslichen Weg zwischen einzigartigen Felsnadeln hindurch!

Die spannendste Wanderung in diesem Park ist die zu den High Peaks („hohen Gipfeln“), einer Reihe gezackter Felsnadeln, die man meilenweit erkennen kann. Die höchste davon ist 829 Meter hoch – das mag jetzt zwar nicht sehr beeindruckend klingen, aber wenn Sie von der Spitze nach unten schauen, werden Sie anderer Meinung sein! Man kann diese Gebilde zwar von beiden Seiten des Parks aus erreichen, doch kürzer ist der Aufstieg von Bear Gulch im Osten (rund zehn Kilometer hin und zurück, je nachdem, welche Route Sie wählen). So oder so müssen Sie etwa 430 Meter klettern und werden am Ende des Weges über die Kreativität des Civilian Conservation Corps staunen, das diesen Pfad in den 1930er Jahren anlegte: Er führt durch ein Felslabyrinth mit einigen schmalen Durchgängen und über, um und zwischen Felsen hindurch. In die Felsen sind Haltegriffe für Hände und Füße eingelassen und stählerne Geländer zur Sicherung eingebettet. (Falls Sie Probleme mit Höhen haben, nehmen Sie statt dessen den Tunnel Trail.)

Wenn Sie den Gipfel der High Peaks erreicht haben, schauen Sie hinab auf das ausgedehnte hügelige Grasland und die Felsmonolithen zu Ihren Füßen, und schauen Sie hinauf zu den Kondoren, denen Sie hier wohl näher sind als an jeder anderen Stelle des Parks. 

Felsklettern in den Pinnacles
Erik Pawassar

Felsklettern in den Pinnacles

Felsklettern in den Pinnacles
Der Berg ruft!

Die Felsnadeln, die durch Vulkane und Erdbeben entstanden und diesem Park seinen Namen gaben, sind heute eine große Attraktion für Felskletterer. Sowohl über die Ost- als auch über die Westseite gelangt man zu zahlreichen Stellen für Kletterer jedes Könnens, und die beliebtesten Routen sind klar gekennzeichnet. Wenn Sie bereits Erfahrung im Klettern haben, sollten Sie bedenken, dass das Gestein hier nicht aus massivem Granit besteht, sondern aus viel schwächeren vulkanischen Brekzien, die leichter „nachgeben“ als Granit. Auf der Ostseite des Parks ist das Gestein etwas härter und weniger zerbröckelt, und es gibt mehr Routen zum Top-Rope-Klettern.

Pinnacles ist ein großartiges Reiseziel, wenn Sie die Kletterkünste, die Sie in der Halle erlernt haben, einmal draußen in freier Natur ausprobieren möchten. Kurse für alle Geschicklichkeitsstufen (auch Anfänger) werden von verschiedenen Unternehmen angeboten, und einige davon veranstalten auch mehrtägige Kletter-Camps. Die Anfängerwände “Tourist Trap” und “Discovery Wall” findet man schon wenige Gehminuten von Bear Gulch. Die Westseite bietet eine größere Zahl an Mehrseillängenrouten, die einen Vorstieg erfordern. Ein Vorteil ist, dass sich die Klettersaison fast durch das ganze Jahr zieht, mit Ausnahme des Sommers, wenn es hier unerträglich heiß wird. Einige Routen werden zu bestimmten Jahreszeiten – normalerweise von Januar bis Juli – gesperrt, um brütende Vögel zu schützen, insbesondere Wanderfalken und Adler.  

Camping in den Pinnacles
Pinnacles National Park by David Prasad/Flickr

Camping in den Pinnacles

Camping in den Pinnacles
Majestätischer Nachthimmel, faszinierende Wildtiere

Der einzige Campingplatz des Parks liegt auf der Ostseite und verfügt über 134 Zeltplätze, einen Swimming-Pool, Duschen, Toiletten mit Wasserspülung und einen erstaunlich gut ausgestatteten Lagerladen mit einer großen Auswahl an Eiscremesorten. (Überlegen Sie gut, was Sie mitnehmen müssen – der nächste Supermarkt befindet sich rund 50 km entfernt in Hollister!) Der Nachthimmel über den Pinnacles ist dunkel genug zum Sterngucken, und die Chancen stehen für Camper gut, dass sie auch wilde Tiere zu Gesicht bekommen: Halten Sie die Augen auf nach Rotwild, Kojoten, Waschbären, Füchsen und einer Vielfalt an Vögeln, vom schwatzhaften Eichelspecht bis zum riesigen Kalifornischen Kondor. Hauptsaison auf dem Campingplatz sind Frühjahr und Herbst – im Sommer ist es hier kochendheiß. Suchen Sie sich aber auch in den kühleren Monaten lieber ein schattiges Plätzchen!

Wildblumen in den Pinnacles
Indian Warrior by Miguel Vieira/Flickr

Wildblumen in den Pinnacles

Wildblumen in den Pinnacles
“Flower Power” zwischen Bergen und Felsnadeln

Der Frühling hält schon früh Einzug im Pinnacles National Park, und mit ihm schwärmen Tausende von Wildblumenliebhabern in den Park, die hoffen, den Höhepunkt der Blütezeit zu erwischen. Aufgrund des fruchtbaren vulkanischen Bodens und der weiten Grasflächen sind die Pinnacles ein idealer Ort für Wildblumen. Der Kalifornische Kappenmohn säumt die Bachläufe, Mormonentulpen leuchten weiß im hohen Gras, und Kanonenpilze bilden in Feuchtwiesen kleine Gruppen. Der berauschende Duft der Lupinen kann Sie beinahe umhauen! Über 80 Prozent der Pflanzen im Park blühen zwischen März und Mai, aber in vielen Jahren sieht man bereits im Januar oder Februar erste Blüten. Die Blumen stehen fast überall, wo man hinschaut, doch garantiert sieht man sie vom High Peaks Loop, vom Balconies Trail und vom Juniper Canyon Trail. Um die Arten zu identifizieren, können Sie online in der Wildblumengalerie nachschlagen oder sich die lange, aber nützliche Pflanzenliste ausdrucken.

The Inn at Tres Pinos
Courtesy of Tres Pinos Inn

The Inn at Tres Pinos

The Inn at Tres Pinos
Gutes Essen in einem alten „Wildwest“-Saloon

Viele, die den Pinnacles National Park zum ersten Mal besuchen, sind erstaunt darüber, wie entlegen er ist. Vier Fünftel des Parks sind Wildnis, aber auch das Umland besteht hauptsächlich aus Wildnis, nämlich den unerschlossenen Ausläufern der Gabilan Mountains: keine Restaurants, keine Tankstellen, kein Supermarkt. Wenn Sie campen, werden Sie irgendwann genug haben von verkohlten Würstchen, und wenn Sie nach einem langen Tag anstrengender Wanderungen zurückfahren, mag Ihr Magen zu knurren beginnen. Kehren Sie in diesen Fällen im Inn at Tres Pinos ein, einem Restaurant, in dem man keinen Anstoß an Ihren Wanderstiefeln nehmen wird. Hier können Sie sogar einen Cowboy-Hut tragen!

Diese Gaststätte war ein beliebtes „Wasserloch“ für die Rinderzüchter im späten 19. Jahrhundert und einst sogar ein Bordell. Inmitten von Tres Pinos, einer Ortschaft mit rund 500 Einwohnern, serviert man in diesem denkmalgeschützten Gebäude Filet mignon, Lachs und Kalbfleisch (zum Glück keine Hot Dogs). Genießen Sie dazu ein Glas Wein aus dem hiesigen San Benito County in einem ganz schlichten Speiseraum. Schauen Sie sich aber auch unbedingt die antike Registrierkasse aus Messing und die klapprigen Holzdielen im Saloon an! 

Nächtliche Unternehmungen
Pinnacles at night by Jason Jenkins/Flickr

Nächtliche Unternehmungen

Nächtliche Unternehmungen
Erkunden Sie die Höhlen bei Nacht oder wandern Sie unter dem Sternenzelt!

Der Pinnacles National Park ist tagsüber ein Paradies für Wanderfreunde, aber auch nachts äußerst faszinierend. Der dunkle Himmel über dieser Gegend, die fern aller Großstadtlichter liegt, ermöglicht ein herrliches Sternguckerlebnis, indem man einfach nur eine Decke an einem beliebigen Ort ausbreitet, von dem man eine ungetrübte Sicht auf den Himmel genießt. An den meisten Samstagabenden kann man sich einer anderthalb Kilometer langen Wanderung unter den Sternen anschließen, die von einem Park-Ranger geleitet wird. Sie beginnt am Parkplatz Peaks View auf der Ostseite des Parks und führt zum Ausgangspunkt des Wanderwegs durch die South Wilderness und wieder zurück. Eine ähnliche Tour wird ganzjährig in Vollmondnächten angeboten. Von Frühjahr bis Herbst führen Ranger auch nächtliche Höhlenerkundungen durch – was eigentlich keinen großen Unterschied macht, weil die Höhlen ohnehin dunkel sind! Dazu gibt es spezielle Exkursionen, um Ausschau nach den heimischen Townsend-Langohrfledermäusen zu halten. Auf der Website des Parks können Sie die aktuellen Angebote erfahren und sollten sich dann bei Interesse im Pinnacles Visitor Center unbedingt einen Platz reservieren – die Führungen sind zwar gratis, aber auf 25 Teilnehmer begrenzt.

Kalifornische Kondore sichten
Sequoia Hughes/Flickr

Kalifornische Kondore sichten

Kalifornische Kondore sichten
Sehen Sie, wie der „Jumbo-Jet von Mutter Natur“ abhebt!

Die Kalifornischen Kondore sind so riesig, das Adler neben ihn winzig wirken. Wenn sie fliegen, verwechselt man sie mitunter mit Kleinflugzeugen. Mit einer Flügelspannweite von bis zu drei Metern sind sie tatsächlich die größten Landvögel Nordamerikas.

Leider bewahrte ihre Größe diese unglaublichen Vögel nicht davor, beinahe auszusterben. Im Jahre 1987 gab es weltweit nur noch 22 Kalifornische Kondore. Damals schlossen sich Experten zusammen und gelangten zu der kritischen Entscheidung, die letzten wildlebenden Exemplare einzufangen und sie in Gefangenschaft koordiniert weiterzuzüchten.

Sechzehn Jahre später wurden die Pinnacles zum offiziellen Erholungsort für die Kondore. Derzeit betreuen die Biologen des Parks mehr als zwei Dutzend Kondore. Jeder der Vögel ist mit einer dreistelligen Zahl auf einer Markierung am Flügel gekennzeichnet. Die Kondore können sich frei bewegen und fliegen oft westwärts zum Big Sur, um sich unter die gut dreißig dort heimischen Kondore zu mischen. Die besten Chancen, Kondore in den Pinnacles zu sehen, haben Sie, wenn Sie am frühen Morgen oder späten Nachmittag zu den High Peaks wandern. Sie können aber auch den Himmel über dem Gebirgszug südöstlich des Campingplatzes absuchen. Fernrohre stehen normalerweise in der Nähe des Besucherzentrums.

Weinproben
Wine Tasting by Myles McGuinness

Weinproben

Weinproben
Besuchen Sie das älteste Weingut Kaliforniens

Es gibt nichts Schöneres als ein Gläschen Wein, um einen anstrengenden Wandertag abzuschließen. Glücklicherweise liegen gleich zwei getrennte Weinstraßen innerhalb eines Umkreises von einer Autostunde von beiden Parkeingängen. Vom Osteingang fahren Sie über die Staatsstraße 25, den Airline Highway, ungefähr 50 Kilometer nach Norden in das Gebiet von Tres Pinos, wo der Cienega Valley Loop an einem halben Dutzend Weingüter in San Benito County vorbeiführt, darunter DeRose, dem ältesten Weingut in Kalifornien, das 1855 von einem französischen Einwanderer gegründet wurde. (Das Weingut liegt übrigens direkt neben dem San-Andreas-Graben.) Der Boden des Cienega Valley ist reich an Kalksteinablagerungen, die ideale Wachstumsbedingungen für Spätburgunder- und Chardonnay-Reben geschaffen haben.

Vom Westeingang aus können Sie dem River Road Wine Trail durch das fruchtbare Salinas Valley folgen. Fahren Sie auf der Staatsstraße 146, der Shirtail Canyon Road, westwärts nach Soledad und zur Bundesstraße 101, wo Sie die Hahn Estates Winery, die Paraiso Vineyards, die Wrath Winery und eine Reihe anderer Weingüter an dieser Weinstraße finden, die sich durch die Santa Lucia Highlands schlängelt.